Press ESC to close

FreizeitparkNEWS

Orcas Wikie und Keijo: Loro Parque drängt Frankreich zu Entscheidung

Seit der Schließung von Marineland Antibes im Jahr 2025 ist das Schicksal der Orcas Wikie (23) und Keijo (11) ungeklärt. Die Tiere leben weiterhin in einem alten Betonbecken, während Behörden, Tierschutzorganisationen und Betreiber über die Zukunft der beiden diskutieren. Nun hat sich Wolfgang Kiessling, Präsident der Loro Parque Gruppe, in einem Podcast erneut öffentlich positioniert und die französischen Behörden zu einer schnellen Entscheidung aufgefordert.

Symbolbild (KI-generiert)

Kiessling: „Loro Parque ist die einzige Lösung“

Im Podcast „Wild Voices“ warnte Kiessling, die aktuelle Situation könne nicht ohne Folgen für das Wohlbefinden der Tiere fortgesetzt werden. Seine Kernaussage: „Loro Parque ist die einzige Lösung, um die beiden Orcas in Frankreich vor dem Tod zu retten.“ Er erklärte, der Loro Parque auf Teneriffa sei bereit, Transport und Unterbringung sofort zu organisieren, sobald Frankreich dies genehmigt.

Kiessling verweist auf mehr als 20 Jahre Erfahrung des Loro-Parque-Teams in der Orca-Haltung sowie auf die Anlage „Orca Ocean“, die am 17. Februar ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Zudem betont er Forschungs- und Bildungsarbeit sowie die Projekte der angegliederten Stiftung, unter anderem Monitoring von Orcas in der Straße von Gibraltar.

Was bisher passiert ist: Marineland geschlossen, Tiere geblieben

Marineland Antibes wurde 2025 endgültig geschlossen. Seitdem sind Wikie und Keijo die letzten Orcas vor Ort, außerdem befinden sich laut Berichten weiterhin zwölf Delfine in den Anlagen. In Medien und durch NGO-Aufnahmen wird geschildert, dass sich die Bedingungen nach der Schließung verschlechtert haben könnten, weil Personal und Infrastruktur reduziert wurden. In diesem Umfeld wächst die Sorge um die physische und psychische Verfassung der Tiere.

Option „Meeresschutzgebiet“ in Kanada: politisch beschlossen, aber zeitlich unklar

Nach den vorliegenden Informationen hat die französische Regierung im Dezember 2025 entschieden, Wikie und Keijo perspektivisch in ein Meeresschutzgebiet in Nova Scotia (Kanada) zu transferieren, sobald dieses bereit ist. Ein möglicher Umzug wurde in der öffentlichen Debatte mit Sommer 2026 verbunden. Ob ein solches Refugium bis dahin tatsächlich fertig und betrieblich startklar ist, gilt jedoch als unklar.

Warum Loro Parque als „schnelle Lösung“ trotzdem kritisch gesehen werden muss

So dringend eine Verbesserung der Situation in Antibes sein mag – eine Verlegung in den Loro Parque ist nicht automatisch eine „Rettung“ ohne Schattenseiten. Auch bei modernen Anlagen bleibt ein zentraler Punkt bestehen: Orca-Haltung in Gefangenschaft ist grundsätzlich hoch umstritten, weil Platz, Komplexität der Umweltreize und soziale Dynamik in Becken nicht mit natürlichen Lebensräumen vergleichbar sind.

Zu den kritischen Punkten, die bei einer Verlegung nach Teneriffa unabhängig geprüft werden sollten, gehören unter anderem:

  • Langfristige Perspektive: Selbst wenn Orca Ocean technisch hochwertig ist, bleibt es eine dauerhafte Haltung in Gefangenschaft – nicht das, was viele als „Leben in Würde“ verstehen.
  • Transport und Stress: Ein Transfer ist logistisch anspruchsvoll und für große Meeressäuger ein erheblicher Stressfaktor, auch wenn er professionell durchgeführt wird.
  • Show- und Nutzungsfrage: Selbst wenn Kiessling betont, es gehe nicht um Geld – ein Orca-Bestand ist ein Publikumsmagnet. Transparenz ist wichtig: Werden die Tiere Teil von Entertainment-Formaten, Trainingsprogrammen oder Zuchtüberlegungen?
  • Signalwirkung: Eine „Lösung“ über einen weiteren Park könnte das Grundproblem – fehlende Refugien und zu späte politische Umsetzung – erneut vertagen, statt nachhaltige Strukturen aufzubauen.

Kiesslings Vorwurf, Aktivisten seien „Marketingunternehmen“, greift außerdem zu kurz. Gleichzeitig ist es fair festzuhalten: Einige Sanctuary-Ideen sind technisch, rechtlich und finanziell extrem anspruchsvoll. Genau deshalb braucht es transparente, realistische Zeitpläne und belastbare Betreiberkonzepte – sonst bleibt die Debatte ein Wettlauf gegen die Zeit auf dem Rücken der Tiere.

Was jetzt wichtig wäre: unabhängige Prüfung und belastbare Zwischenlösung

Unabhängig davon, ob am Ende ein Refugium in Kanada, eine Lösung in Europa oder eine andere Option umgesetzt wird, sprechen die Fakten für einen klaren Fahrplan:

  • Unabhängige veterinärmedizinische und ethologische Begutachtung des Zustands von Wikie und Keijo, inklusive transparenter Veröffentlichung zentraler Befunde.
  • Verbindlicher Zeitplan für das kanadische Refugium – oder klare Kriterien, ab wann eine Alternativlösung greifen muss.
  • Verbesserung der Haltungsbedingungen in Antibes als kurzfristige Pflicht, solange die Tiere dort bleiben – mit gesicherter Technik, Wasserqualität, Personal und Monitoring.
  • Klare Regeln zu Shows und Zucht für jede Übergangslösung, damit das Ziel einer Ausstiegsstrategie aus der Orca-Gefangenschaft nicht unterlaufen wird.

Fazit: Zwischen Notfall und Grundsatzfrage

Die Aussage „Loro Parque ist die einzige Lösung“ ist vor allem eines: eine Position in einem komplexen Konflikt. Ja, die Situation in Antibes wirkt wie ein Notfall, der nicht endlos verwaltet werden darf. Aber eine Verlegung in einen anderen Park wirft automatisch die Grundsatzfrage auf, ob damit wirklich „gerettet“ wird – oder lediglich in ein anderes Gefangenschaftssystem verlagert.

Am Ende wird entscheidend sein, dass die französischen Behörden nicht nur schnell, sondern nachprüfbar verantwortungsvoll handeln: mit unabhängiger Expertise, maximaler Transparenz und einer Lösung, die Tierwohl nicht nur kurzfristig stabilisiert, sondern langfristig glaubwürdig verbessert.

Stefan ist seit kleinauf achterbahnverrückt und Jahreskartenfan. Heimatpark: Phantasialand

Stefan

Stefan ist seit kleinauf achterbahnverrückt und Jahreskartenfan. Heimatpark: Phantasialand

FreizeitparkNEWS

Kostenfrei
Ansehen