Die mögliche Erweiterung des Phantasialands in Brühl nimmt eine weitere politische Hürde. Der Planungsausschuss der Stadt stimmt mehrheitlich dafür, das Bauleitverfahren für ein rund 15 Hektar großes Gebiet am sogenannten Ententeich einzuleiten. Eine endgültige Genehmigung für die Vergrößerung des Freizeitparks ist damit allerdings noch nicht verbunden. Zunächst sollen unter anderem die Auswirkungen auf Natur, Verkehr und Wirtschaft untersucht werden.

Getragen wird die Entscheidung von den Stimmen des Bündnisses aus CDU und SPD sowie der Fraktion FDP/Volt. Grüne und Linkspartei stimmen gegen die Aufstellungsbeschlüsse, die AfD enthält sich. Darüber berichtet unter anderem der Kölner Stadt-Anzeiger.
Fläche am Ententeich steht im Mittelpunkt
Das mögliche Erweiterungsgebiet umfasst etwa 15 Hektar und liegt im Dreieck zwischen der Berggeiststraße, der Phantasialandstraße beziehungsweise Landesstraße 194 und der Autobahn 553. Teile des Areals rund um den Ententeich stehen bislang unter Naturschutz.
Mit dem Beschluss können die Änderung des Flächennutzungsplans und die Erarbeitung eines Bebauungsplans beginnen. Im weiteren Verfahren sollen Gutachten erstellt werden, die mögliche Folgen einer Erweiterung genauer untersuchen. Dazu gehören nach Angaben von Radio Erft insbesondere die Bereiche Umwelt, Verkehr und wirtschaftliche Entwicklung. Die Kosten für die umfangreichen Untersuchungen trägt demnach das Phantasialand.
Die Stadtpolitik betont, dass der Ausgang des Verfahrens offenbleibt. CDU-Fraktionschef Holger Köllejan erklärt laut Kölner Stadt-Anzeiger, man wolle das offizielle Prüfverfahren starten, um eine belastbare Entscheidungsgrundlage zu erhalten. Auch SPD-Ratsherr Leon Berg verweist auf die notwendigen Gutachten und die Bedeutung überprüfbarer Fakten.
Kein vorhabenbezogener Bebauungsplan
Für Diskussionen sorgt die Entscheidung, keinen sogenannten vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen. Ein solches Verfahren war zunächst auch von CDU und SPD angestrebt worden. Nun soll stattdessen ein regulärer Angebotsbebauungsplan erarbeitet werden.
Nach Einschätzung der Stadtverwaltung würde ein vorhabenbezogener Bebauungsplan den Freizeitpark zu stark einschränken. Dabei müssten Nutzung, Lage und Dimensionen geplanter Gebäude bereits frühzeitig sehr konkret festgelegt werden. Zudem wäre die Umsetzung an einen vergleichsweise engen zeitlichen Rahmen gebunden.
Die Verwaltung verweist darauf, dass sich Freizeitparkattraktionen vergleichsweise kurzfristig verändern können. Neue Anlagen werden entwickelt, bestehende Angebote ersetzt oder an veränderte Besucherinteressen angepasst. Bei einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan könnte jede größere Änderung eine erneute Anpassung des Vorhaben- und Erschließungsplans erforderlich machen.
Auch ein regulärer Bebauungsplan könne jedoch detaillierte Vorgaben zur späteren Nutzung des Areals enthalten. Welche Regeln für mögliche Gebäude, Attraktionen, Verkehrsflächen oder Schutzmaßnahmen gelten, soll im weiteren Verfahren geklärt werden.
Grüne warnen vor unklaren Vorgaben
Die Grünen kritisieren den Wechsel des Planungsinstruments deutlich. Fraktionschefin Simone Holderried wirft der politischen Mehrheit vor, mit weniger konkreten Vorgaben in das Verfahren zu gehen. Die Richtungsänderung könne nach ihrer Einschätzung die Politikverdrossenheit verstärken.
Holderried warnt laut Kölner Stadt-Anzeiger davor, bei der Gestaltung und Nutzung des Areals zu viele Fragen offenzulassen. Mit der Zustimmung zum Verfahren bestehe aus ihrer Sicht bereits ein klares politisches Interesse daran, die Voraussetzungen für eine spätere Bebauung zu schaffen.
CDU-Fraktionschef Köllejan hält dagegen, dass sich politische Einschätzungen aufgrund neuer Erkenntnisse verändern könnten. Der reguläre Bebauungsplan biete dem Phantasialand mehr Flexibilität, ohne dass die Stadt auf verbindliche Vorgaben verzichten müsse.
Linkspartei sieht schweren Eingriff in den Naturschutz
Auch die Linkspartei lehnt das Verfahren ab. Matthias Appelt warnt vor einem besonders schweren Eingriff in den Natur- und Landschaftsschutz. Er fordert, zunächst alternative Flächen für eine mögliche Erweiterung des Freizeitparks zu untersuchen.
Darüber hinaus spricht sich die Linkspartei dafür aus, die einzelnen Planungsschritte zeitlich stärker voneinander zu trennen. Ein Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan solle demnach erst erfolgen, nachdem der Flächennutzungsplan entsprechend geändert worden ist.
Die Grünen verlangen außerdem einen Aufschub wegen der angespannten Haushaltslage der Stadt. Nach ihrer Auffassung soll die Planung erst fortgesetzt werden, wenn Brühl wieder über einen ordnungsgemäß verabschiedeten Haushalt verfügt. Die Stadtverwaltung folgt diesen Argumenten nicht. Auch im Planungsausschuss finden die entsprechenden Anträge keine Mehrheit.
Naturschützer kündigen Bürgerbegehren an
Der politische Beschluss stößt bei Naturschutzorganisationen weiterhin auf erheblichen Widerstand. Das Netzwerk NSG Ententeich kündigte am Freitag erneut ein Bürgerbegehren an. Ziel ist es, das Bauleitverfahren und damit eine mögliche Erweiterung des Phantasialands auf der betroffenen Fläche zu stoppen.
Bereits vor der Sitzung des Planungsausschusses organisiert das Netzwerk eine Demonstration. Nach Angaben des Kölner Stadt-Anzeigers beteiligen sich daran rund 250 Menschen. Unter den Teilnehmenden befinden sich demnach Bürgerinnen und Bürger aus Brühl sowie aus dem angrenzenden Bornheim-Walberberg.
Die Gegner des Vorhabens befürchten insbesondere den Verlust geschützter Flächen sowie zusätzliche Belastungen für Natur, Verkehr und die umliegenden Wohngebiete. Mit dem angekündigten Bürgerbegehren soll die Auseinandersetzung nun auch außerhalb der politischen Gremien fortgesetzt werden.
Entscheidung über die Erweiterung fällt erst später
Mit dem Votum des Planungsausschusses beginnt zunächst nur das formelle Planungs- und Prüfverfahren. Eine konkrete Erweiterung des Freizeitparks wird dadurch noch nicht genehmigt. Auch über einzelne Attraktionen, Gebäude oder die genaue Gestaltung des Geländes ist noch nicht entschieden.
Im nächsten Schritt werden die erforderlichen Fachgutachten vorbereitet. Dabei sollen unter anderem der Artenschutz, mögliche Ausgleichsmaßnahmen, die Verkehrsentwicklung und wirtschaftliche Auswirkungen betrachtet werden. Anschließend müssen die Ergebnisse politisch beraten und öffentlich abgewogen werden.
Wie Radio Erft berichtet, soll erst auf Grundlage dieser Untersuchungen über das weitere Vorgehen entschieden werden. Befürworter sehen darin die Möglichkeit, erstmals belastbare Daten zu erhalten. Gegner betrachten bereits den Beginn des Verfahrens als entscheidende Weichenstellung für eine spätere Bebauung.
Tickets gibt es über die parkeigene Website Phantasialand.de.

