Die Achterbahn X2 im kalifornischen Freizeitpark Six Flags Magic Mountain ist seit Mitte Juli geschlossen – und bleibt es vorerst. Auslöser waren zwei schwere medizinische Notfälle innerhalb von nur sechs Tagen, die beide Fahrerinnen nach einer Fahrt mit der 4D-Achterbahn ins Krankenhaus brachten. Eine Untersuchung durch die kalifornische Behörde Cal/OSHA ist eingeleitet, ein Wiedereröffnungstermin steht nicht fest.

Zwei Notfälle in sechs Tagen
Am 5. Juli fuhr die 40-jährige Pamela Guillen mit X2. Kurz nach der Fahrt verlor sie das Bewusstsein und musste wegen eines schweren Subduralhämatoms sowie stark erhöhten Hirndrucks notoperiert werden. Die behandelnden Ärzte gaben an, das Verletzungsmuster passe zu einem traumatischen Ereignis mit sehr schneller Beschleunigung und Verzögerung. Trotz des Vorfalls wurde X2 zunächst weiter in Betrieb gehalten.
Nur sechs Tage später verlor auch die 25-jährige Naomi Greer-Wilkinson nach einer Fahrt mit X2 das Bewusstsein und musste notoperiert werden. Nach Angaben ihrer Familie befindet sie sich weiterhin im Koma. Am Abend des 12. Juli wurde X2 daraufhin geschlossen. Seitdem ist die Bahn außer Betrieb.
CNN-Recherche zeigt Muster über knapp zwei Jahrzehnte
Der US-Sender CNN hat die Geschichte der Bahn nun detailliert aufgearbeitet und dafür medizinische Unterlagen, Gerichtsakten, frühere Klagen sowie interne Dokumente ausgewertet. Das Ergebnis: Über einen Zeitraum von knapp zwei Jahrzehnten finden sich demnach mehr als ein Dutzend dokumentierte Fälle schwerer Verletzungen und Krankenhausaufenthalte im Zusammenhang mit X2, darunter mehrere Hirnverletzungen und Subduralhämatome.
Besonders relevant ist ein Fall aus dem Jahr 2022. Der 22-jährige Christopher Hawley klagte nach einer Fahrt mit X2 über starke Kopfschmerzen, brach später zusammen und starb am folgenden Tag an einer massiven Hirnblutung. Der Gerichtsmediziner führte seinen Tod auf ein stumpfes Kopftrauma im Zusammenhang mit einem „park ride accident” zurück. Über diesen Fall hatte unter anderem RTL berichtet. Die Familie Hawleys verklagt Six Flags; der Prozess gegen den Park soll Anfang September beginnen.
Laut CNN zeigen interne Unterlagen zudem mindestens 70 Beschwerden über Kopf- und Nackenverletzungen nach Fahrten mit X2 in den drei Jahren vor Hawleys Tod. Diese Zahl belegt keine 70 nachgewiesenen Hirnverletzungen – in Verbindung mit den inzwischen bekannten schweren Einzelfällen ist sie jedoch zumindest auffällig.
Six Flags weist Vorwürfe zurück
Six Flags bestreitet die erhobenen Vorwürfe. Der Parkbetreiber verweist darauf, dass X2 regelmäßig überprüft werde, technische Standards erfülle und die bei einer Fahrt auftretenden Belastungen bei korrekter Sitzposition nicht ausreichen würden, um eine traumatische Hirnverletzung zu verursachen.
Behörde ermittelt – Bewertung noch offen
Die zuständige kalifornische Behörde Cal/OSHA untersucht die jüngsten Vorfälle. Bislang ist nicht abschließend bewiesen, dass X2 sämtliche der genannten Verletzungen verursacht hat; mehrere Fälle sind Gegenstand laufender Gerichtsverfahren. Eine abschließende technische Bewertung liegt derzeit nicht vor.
X2 ist seit ihrer Eröffnung als ausgesprochen intensive Achterbahn bekannt. Die 4D-Bahn mit 360°-drehenden Sitzen, Kopf-über-Abfällen und sogenannten „Raven Turns” – halben Loopings, die in senkrechte Abstürze übergehen – gilt als eine der körperlich forderndsten Anlagen ihrer Art. Das allein macht eine Bahn noch nicht unsicher. Wenn jedoch mehrere sehr ähnliche schwere Hirnverletzungen dokumentiert werden und zwei davon innerhalb von nur sechs Tagen auftreten, ist eine eingehende Untersuchung der Züge, Kopfstützen und der tatsächlich auf den Kopf wirkenden Kräfte notwendig. Genau diese Untersuchung findet derzeit statt. Bis auf Weiteres bleibt X2 geschlossen.
Über Six Flags Magic Mountain: Six Flags Magic Mountain liegt in Valencia, Kalifornien, rund 65 Kilometer nördlich von Los Angeles und gehört zur Six Flags-Gruppe, einem der größten Freizeitparkbetreiber Nordamerikas. Der Park ist bekannt für seine hohe Dichte an Achterbahnen und richtet sich vor allem an ein erwachsenes Publikum mit Vorliebe für intensive Fahrgeschäfte. X2 – ursprünglich als „X” eröffnet und später umgebaut – gilt als eine der bekanntesten und technisch ungewöhnlichsten Anlagen des Parks.

