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Hennie van der Most: Auch sein Privatlandgut wird zwangsversteigert

Der finanzielle Absturz von Freizeitpark-Unternehmer Hennie van der Most geht weiter: Nach seinem Freizeitpark in Rotterdam, dem ehemaligen Attractiepark Speelstad Oranje und einem Gewerbeareal wird nun auch sein privates Landgut im niederländischen Gorssel zwangsversteigert. Der Termin ist für den 2. Oktober 2026 angesetzt. In Deutschland ist er insbesondere als einstiger Gründer des Wunderland Kalkar bekannt.

Luftbild Wunderland Kalkar©Wunderland Kalkar
Luftbild Wunderland Kalkar©Wunderland Kalkar

Luxusvilla mit 27 Hektar kommt unter den Hammer

Van der Most erwarb das Landgut „De Haar” im Jahr 2009. Das Anwesen im gehobenen gelderländischen Villadorf Gorssel umfasst ein Herrenhaus mit rund 1.145 Quadratmetern Wohnfläche, elf Zimmer, eine Bibliothek, ein Gästehaus, eine Sauna sowie Sporteinrichtungen. Das Gesamtareal erstreckt sich auf mehr als 27 Hektar und umfasst Wälder, Weideflächen, einen Teich, eine lange Auffahrt sowie eine separate Scheune. Zusätzlich wird ein angrenzendes landwirtschaftliches Grundstück versteigert.

Der Investor Pearl Capital hatte das Landgut bereits früher in diesem Jahr gepfändet und geht nun zur Zwangsversteigerung über. Als Auktionator fungiert Richard Dieteren von Vastgoedveiling – derselbe, der bereits die Versteigerungen des Freizeitparks in Rotterdam, von Speelstad Oranje und des Gewerbeareals in Schuinesloot leitet. Ob vor dem Termin am 2. Oktober noch Besichtigungen des Landguts möglich sein werden, wird laut Dieteren noch geprüft. Über die Hintergründe berichtete zuerst die niederländische Regionalzeitung De Gelderlander.

Schulden übersteigen Erlöse bei Weitem

Der geschäftliche Zusammenbruch des einst prominenten Unternehmers ist in den Niederlanden beispiellos. Im Jahr 2017 stand Van der Most noch mit einem geschätzten Vermögen von 75 Millionen Euro in der niederländischen Reichenliste „Quote 500″ – Van der Most selbst relativierte dies damals mit den Worten, er habe auf dem Papier nie mehr als 53 Millionen Euro besessen.

Zu Beginn dieses Jahres wurde bekannt, dass sein Freizeitpark in Rotterdam versteigert werden sollte. Im April erhielt Unternehmer Wim Beelen aus Nunspeet den Zuschlag für 6,5 Millionen Euro. Das reichte jedoch bei Weitem nicht aus, um die ausstehenden Schulden zu begleichen. „Wir haben mehr zu fordern, als die Versteigerung des Freizeitparks in Rotterdam eingebracht hat”, erklärte Jacob Thalen von Pearl Capital gegenüber De Gelderlander. Das Unternehmen hatte Van der Most im vergangenen Jahr ein Darlehen gewährt, mit dem er versucht hatte, Kapital für seinen Rotterdamer Park freizumachen.

Speelstad Oranje und Gewerbeareal ebenfalls kurz vor der Auktion

Auch das frühere Attractiepark Speelstad Oranje, das bereits 2015 geschlossen wurde, sowie Van der Mosts Gewerbeareal in Schuinesloot sollen noch im September versteigert werden. Bei dem Gewerbeareal handelt es sich um jenen Standort in Schuinesloot, an dem Van der Most sein Unternehmensimperium vor Jahrzehnten aufgebaut hatte. Ein Besichtigungstag verzeichnete zuletzt mehr als sechzig Interessenten, darunter Immobilienunternehmer aus dem gesamten Land – einer reiste sogar per Hubschrauber an. Eine ähnliche Resonanz zeigte sich bei der Besichtigung von Speelstad Oranje am selben Tag.

Mit der nun angekündigten Versteigerung seines Privatanwesens erreicht der Insolvenzfall eine neue Dimension: Traf der finanzielle Zusammenbruch Van der Most bislang vor allem geschäftlich, greift er nun unmittelbar auf sein Privatleben über. Wie De Gelderlander berichtet, folgt mit dem Landgut die nächste Zwangsversteigerung, während die Auktionen für Speelstad Oranje und das Gewerbeareal noch ausstehen.

Wunderland Kalkar – das bekannteste Kapitel seines Lebenswerks

Besonders in Deutschland ist Hennie van der Most vor allem durch eine Attraktion bekannt: das Wunderland Kalkar am Niederrhein. Der einstige Schnelle Brüter – ein nie fertiggestelltes Kernkraftwerk – wurde von Van der Most ab 1995 schrittweise in einen Freizeitpark umgewandelt. Das Wunderland Kalkar gehört zu den kuriosesten Freizeitparkkonzepten Europas: Karussells im Reaktorgebäude, ein Hotel in den ehemaligen Betriebsgebäuden und ein Kletterturm auf dem ikonischen Kühlturm haben das Areal zu einem weithin bekannten Ausflugsziel gemacht.

Van der Most verkaufte das Wunderland Kalkar bereits vor einigen Jahren und ist damit nicht mehr Eigentümer des Parks. Der Verkauf des deutschen Vorzeigeprojekts gilt rückblickend als einer der früheren Schritte im schrittweisen Rückzug aus seinem Freizeitpark-Imperium. Das Wunderland Kalkar ist heute im Besitz anderer Investoren und hat mit den aktuellen Insolvenz- und Versteigerungsverfahren rund um Van der Most keine direkte Verbindung mehr – der Park läuft regulär weiter. Dennoch steht das Wunderland Kalkar symbolisch für die einstige Schaffenskraft Van der Mosts, der über Jahrzehnte ungewöhnliche Standorte in erfolgreiche Freizeitbetriebe verwandelte.

Hennie van der Most (76) war jahrzehntelang einer der bekanntesten Freizeitpark-Unternehmer der Niederlande und darüber hinaus. Sein Imperium umfasste unter anderem einen Freizeitpark in Rotterdam, das Attractiepark Speelstad Oranje in Schuinesloot (geschlossen 2015) sowie das Wunderland Kalkar in Deutschland. Nach finanziellen Schwierigkeiten und einer Insolvenz werden seit 2025 und 2026 seine verbliebenen Vermögenswerte schrittweise zwangsversteigert. Alle wesentlichen Details zu den laufenden Versteigerungsverfahren hat De Gelderlander ausführlich dokumentiert.

Stefan ist seit kleinauf achterbahnverrückt und Jahreskartenfan. Heimatpark: Phantasialand

Stefan

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